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Sexualität nach einem Schwangerschaftsabbruch

Saturday, October 24th, 2009

Nach einem Vortrag von der Ärztin Kristina Hänel, Gießen,
gehalten auf dem Kongress von FIAPAC, am 24. Mai 2002 in Amsterdam

Vorbemerkung

Dieses Thema beschäftigt uns regelmäßíg, es wurde aber noch nie richtig diskutiert.
Es war mir leider auch nicht möglich, eine Studie zu finden, die sich direkt auf die Fragestellung bezieht. Meine Gedankengänge gründen sich also überwiegend auf theoretische Überlegungen und persönliche berufliche Erfahrungen. Wenn jemand hier im Saal Arbeiten zum Thema kennt, würde ich mich freuen, wenn sie mit in die Diskussion eingebracht werden können.

Übliche Verhaltensregeln nach einem Schwangerschaftsabbruch

Allgemein wird nach dem Schwangerschaftsabbruch Sexualität (in der Regel explizit als Geschlechtsverkehr benannt) verboten, ebenso die Benutzung von Tampons, sowie Schwimmen gehen oder Baden in der Badewanne. Auf den Homepages von Abtreibungseinrichtungen in verschiedenen Ländern fand ich länderübergreifend diese Verbote. Als Zeitraum werden zwei bis drei Wochen oder die Zeit bis zur nächsten Menstruation angegeben. Es gibt einige wenige Zentren, die das Verbot nicht explizit aussprechen oder es nur auf eine Methode des Abbruchs beziehen. Einige empfehlen ein Verbot speziell für den chirurgischen Abbruch, einige sogar nur für den medikamentösen Abbruch, aber nicht für den frühen chirurgischen Abbruch.
Auch in der Literatur finden sich diese widersprüchlichen Aussagen. In dem Lehrbuch „A Clinician’s Guide to Medical and Surgical Abortion“ heisst es: Es ist nicht bekannt, ob das Infektionsrisiko erhöht ist, wenn nach dem Abbruch irgendetwas in die Vagina eingebracht wird. Um sicher zu sein, empfehlen wir, keine Tampons zu nutzen, keinen Geschlechtsverkehr zu haben, usw.
Als Begründung für die Empfehlungen wird ein erhöhtes Infektionsrisiko angegeben. Als Argumente gelten drei Annahmen:

die offene Zervix (Muttermund),
die Gebärmutter als Wunde und
der Penis als Infektionsbringer.
Wir wollen die einzelnen Annahmen genauer betrachten.

Argument 1: Offene Zervix (Muttermund)

Dazu ist zu bemerken, dass wir nicht exakt wissen, wie lange die Zervix tatsächlich geöffnet ist. Wir wissen, dass sie sich bereits am Ende des Abbruchs bei der Kontraktion des Uterus mit zusammenzieht. Andererseits müssen wir anerkennen, dass eine geöffnete Zervix allein kein Geschlechtsverkehrsverbot begründen kann. Denn sonst müssten wir den Verkehr auch für die Menstruation, den Zeitraum nach der Geburt und insbesondere während des Eisprungs verbieten, was ja wohl absurd ist. Ich habe im übrigen auch nach Literatur gesucht, welche die Frage des Infektionsrisikos während der Periode oder nach Geburten beleuchtet, aber auch hier habe ich keine verlässlichen Angaben finden können, die ein Risiko belegen oder aber widerlegen würden.

Argument 2: Gebärmutter ist eine Wunde

Da es keine Studien gibt, ist auch hier unsere medizinische Sichtweise wahrscheinlich von unserer ideologischen Einstellung geprägt: Je nachdem, ob wir die ungewollte Schwangerschaft als eine Einheit mit der Gebärmutter betrachten oder als ein biologisches Gebilde, dass durch autonomes, krebsähnliches Wachstum gekennzeichnet ist, sehen wir nach dem Abbruch die Wiederherstellung eines ursprünglichen physiologischen Zustandes oder eine Wunde. Wenn wir von der Annahme einer Wunde ausgehen sollten, dann wäre auch zu diskutieren, ob es einen Unterschied zwischen chirurgischem und medikamentösem Abbruch gibt.

Argument 3: Penis ist Infektionsbringer?

Wir können davon ausgehen, dass bei einem gesunden Mann eine physiologische Flora vorliegt. Sollten pathogene Keime vorhanden sein, hat eine Infektion wahrscheinlich schon vor dem Abbruch stattgefunden. Wirklich bekannte Gründe für eine erhöhte Infektionsrate sind: das Vorliegen pathogener Keime bereits vor dem Abbruch, unsteriles Arbeiten beim Abbruch oder Gewebereste nach dem Abbruch.

Vorteile von Sexualität?

Die folgenden Vorteile von Sexualität sind natürlich auch durch Sexualpraktiken ohne Penetration (z.B. Masturbation, Petting) erreichbar. Sexuelle Begegnungen nach dem Abbruch können verschiedene positive Aspekte beinhalten: emotionale, psychologische und kognitive. Z.B. kann es für Frauen wichtig sein, Nähe und Anlehnung zu leben, zu wissen, dass alles normal ist, etc. Auf physiologischer Ebene können die Kontraktionen der Gebärmutter Spannungen lösen und damit schmerzlindernd wirken.
Negative Aspekte könnten sein: die Angst vor erneuter Schwangerschaft und auch in einigen Fällen die Tatsache, dass es Frauen gibt, die davon profitieren, wenn es für die Männer ein klares Verbot gibt. Dies berührt aber eine ganz andere Fragestellung.

Nutzen des Geschlechtsverkehr-Verbotes ist nicht erwiesen

Die Empfehlungen für ein Verbot von Geschlechtsverkehr nach einem Schwangerschaftsabbruch sind nicht begründet. Deshalb wäre eine Diskussion sinnvoll, um neue Standards zu entwickeln, die auf tatsächlichen und nachvollziehbaren Erfahrungen beruhen.

nachher

Tuesday, May 26th, 2009

uebergabe1NACH einem Schwangerschaftsabbruch

Verantwortungsvolle Ärzte/Ärztinnen unternehmen alles, um den Eingriff behutsam und rücksichtsvoll vorzunehmen und Ihnen unnötige Schmerzen zu ersparen.

Schmerzen

Chirurgischer Abbruch:

Unmittelbar nach einem chirurgischen Abbruch zieht sich die Gebärmutter zusammen. Selten führt dies kurzfristig zu einem leichten Ziehen oder zu Schmerzen. Falls Sie Schmerzen haben, bekommen Sie selbstverständliche ein zusätzliches Schmerzmittel.

Medikamentöser Abbruch:

Nach der Einnahme der 2. Tabletten (Cyprostol®/Cytotec®), dem Prostaglandin kommt es häufig zu Bauch- und/oder Kreuzschmerzen. Wir empfehlen deshalb gleichzeitig die vorbeugende Einnahme eines Schmerzmittels: Parkemed®, (Ibu-) Brufen 200mg, zB. Dismenol® oder Diclofenac, zB. Voltaren® 50 oder 75mg. Falls Sie Schmerzen haben, sollten Sie rechtzeitig ein Schmerzmittel einnehmen

Blutung

Chirurgischer Abbruch:

Die Blutung nach einem chirurgischen Abbruch ist üblicherweise schwächer als eine normale Regelblutung. Allerdings kann sie unregelmäßig einsetzen, z.B. die ersten 1-2 Tage gar nicht/oder sehr schwach.

In einigen wenigen Fällen kann die Blutung auch stärker sein. Dabei kann das Blut nach dem Austritt aus der Gebärmutter gerinnen sobald es in Kontakt mit der Scheide kommt. Das Blut wird dann als Blutkoagel (gestockter Klumpen) ausgeschieden. (Es sind keine ‚Gewebeklumpen’.) Dies ist ein Zeichen einer stärkeren Blutung.

Mifegyne:

Beim medikamentösen Abbruch beginnt die Blutung meist erst nach der Einnahme des Prostaglandins Cyprostol®/Cytotec® und kann für einige Stunden stärker sein, als die normale Regelblutung. Danach geht dies zurück, kann aber als leichte Schmierblutung 1-2 Wochen andauern.

Geschlechtsverkehr, Tampons, Schwimmen, Baden etc

In den ersten 2 Tagen nach einem Abbruch sollten Sie keinen Geschlechtsverkehr haben und nicht Schwimmen, Baden oder Tampons verwenden. Danach können Sie alles tun, was Ihnen gut tut. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass diese Tätigkeiten nach Ablauf von 2 Tagen zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen würden.

Duschen ist selbstverständlich jederzeit möglich!

Antibiotika

Chirurgischer Abbruch:

Vor einem chirurgischen Abbruch erfolgt immer eine Untersuchung des Scheidensekretes. Falls sich darin oder während dem Abbruch Zeichen einer Entzündung zeigen, bekommen Sie ein Antibiotikum.

Mifegyne:

Beim medikamentösen Abbruch besteht kein erhöhtes Risiko einer Infektion.

Fieber

Sehr selten kommt es nach einem Abbruch zu einer Entzündung. Diese würde sich mit Fieber in den Tagen nach einem Abbruch Fieber äußern. In einem solchen Fall, sollten Sie sich rasch mit Ihrem Arzt/Ärztin  in Verbindung setzen.

Schwangerschaftssymptome: Übelkeit, Brustspannen

Eine allenfalls bestehende Übelkeit geht innerhalb eines Tages nach dem Abbruch zurück. Ein Brustspannen kann manchmal bis zu etwa 3 Wochen bestehen bleiben.

Gelegentlich halten Schwangerschaftssymptome nach dem medikamentösen Abbruch etwas länger an, als nach einem chirurgischen Abbruch.

Schwangerschaftstest

Das Schwangerschaftshormon hCG wird nur langsam vom Körper ausgeschieden und die üblichen Tests sind sehr empfindlich. Deshalb kann ein Schwangerschaftstest bis zum Einsetzen der nächsten Regelblutung ein positives Testergebnis liefern, trotz erfolgtem Abbruch.

Eine Ultraschall-Untersuchung gibt Ihnen verlässlich Auskunft darüber, ob Sie noch schwanger sind, oder nicht.

Krankenstand

Chirurgischer Abbruch:

Üblicherweise erholen Sie sich sehr rasch nach dem chirurgischen Eingriff und ein Krankenstand ist in den allermeisten Fällen nicht notwendig.

Medikamentöser Abbruch:

Die ersten Stunden nach der Einnahme des Prostaglandins Cyprostol®/Cytotec® kann es gelegentlich zu stärkeren Blutungen kommen. Deshalb empfehlen wir Ihnen in dieser Zeit nicht zu arbeiten. Allenfalls kann eine kurzfristige Unterstützung bei der Kinderbetreuung hilfreich sein.

Schwere körperliche Tätigkeit

Für die meisten Frauen ist der Abbruch nicht belastender als eine normale Regelblutung. Das heißt Sie können alles tun, was Ihnen gut tut.

Nachkontrolle

Chirurgischer Abbruch:

Sofort nach einem chirurgischen Abbruch wird immer eine Ultraschall-Untersuchung durchgeführt, damit gewährleistet ist, dass die Gebärmutterhöhle leer ist.

Es ist sinnvoll, wenn Sie einige Wochen später zu Ihrem Frauenarzt/Ihrer Frauenärztin gehen, um das weitere Vorgehen bezüglich der Verhütung zu besprechen.

Medikamentöser Abbbruch:

Sie sollten nach 1-3 Wochen eine Ultraschall-Untersuchung machen lassen, um festzustellen, dass die Schwangerschaft wirklich beendet ist!

Nächste Regelblutung

Für den Körper beginnt mit dem Abbruch ein neuer Zyklus. Meist setzt die nächste Regelblutung etwa 4-6 Wochen später ein. Diese kann manchmal etwas stärker als normalerweise sein.

Psychische Befindlichkeit nach einem Schwangerschaftsabbruch:

Viele Frauen erleben die Zeit bis zum Abbruch belastend und fühlen sich nach dem Eingriff erleichtert. (Siehe auch das Buch: ‚Traurig und befreit zugleich, Erfahrungsberichte von Frauen)

Um psychischen Problemen vorzubeugen ist es wichtig, dass die Frau:

- vorher gut informiert wurde

- die Entscheidung selbstbestimmt getroffen hat

- eine wohlwollende, soziale Akzeptanz ihrer Entscheidung in ihrem persönlichen Umfeld erlebt

- in einer angenehmen Atmosphäre optimal medizinisch und menschlich betreut wurde

Ein Schwangerschaftsabbruch kann durchaus auch als Befreiung und Erleichterung erlebt werden. Zeitweise Phasen der Traurigkeit sind Teil eines normalen Verabreitungsprozesses, wie in jeder anderen Krisensituation auch.

Fruchtbarkeit – Verhütung

Die vorliegende Schwangerschaft belegt, dass Sie fruchtbar sind. Ein komplikationsloser Abbruch hat keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Der nächste Eisprung findet etwa 2 Wochen nach einem Abbruch statt. Dabei können Sie sofort wieder schwanger werden, falls Sie keine sichere Verhütung anwenden. Mit hormonellen Verhütungsmethoden (Pille, Stäbchen, Ring, Pflaster, Drei-Monatsspritze) sollten Sie gleich nach dem chirurgischen Abbruch beginnen. Beim medikamentösen Abbruch können Sie am Tag nach Blutungsbeginn mit einer hormonellen Verhütungsmethode Ihrer Wahl beginnen.

Die Möglichkeit, dass Komplikationen nach einem Schwangerschaftsabbruch auftreten, ist sehr gering, aber wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht in Ordnung ist, sollten Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt/Ärztin Kontakt aufnehmen.

vorher

Tuesday, May 26th, 2009

VOR einem Schwangerschaftsabbruch

Sie sollten sicher sein, dass Sie schwanger sind. Dazu sollten Sie zumindest einen Schwangerschaftstest gemacht haben.
Nach Feststellung der Schwangerschaft werden möglicherweise unterschiedliche Gedanken und Gefühle in Ihnen aufkommen.

Sie sollten sich gut informieren und eine selbstbestimmte Entscheidung treffen.

Falls Sie noch keinen Test gemacht haben oder/und Ihre Entscheidung noch nicht sicher ist, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

Vorheriger Arztbesuch
Ein Besuch beim niedergelassenen Frauenarzt/bei der Frauenärztin kann hilfreich sein, ist aber weder vorgeschrieben noch unbedingt erforderlich.

Beratung in einer Beratungsstelle
Eine Beratung von geschulten Beraterinnen kann für manche Frauen hilfreich sein, andere empfinden es als unnötig. In Österreich und der Schweiz ist eine Beratung in einer der vielen Beratungsstellen freiwillig. In Deutschland ist eine Beratung jedoch verpflichtend. Am Ende der Beratung muß eine Bestätigung ausgestellt werden, unabhängig davon, wie das Gespräch verlaufen ist. Erst drei Tage später ist dann ein Abbruch erlaubt.

Psychische Befindlichkeit
Oft wissen Frauen rasch und klar, wie sie sich nach Feststellen der ungewollten Schwangerschaft entscheiden. Manchmal ist die Situation alles andere als leicht und benötigt Zeit und Gespräche mit vertrauen Menschen.
Schwierig ist die Entscheidung auch wenn von dem Partner keine Unterstützung kommt oder bei moralischem/religiösem Druck von außen. Manchmal kann ein wertfreies Gespräch in einer Beratungsstelle weiterhelfen.

Begleitperson
Gerne können Sie Ihren Partner, eine gute Freundin oder einen anderen vertrauten Menschen mitnehmen. Sie bestimmen, ob Sie jemand begleiten soll oder ob Sie lieber alleine kommen möchten.

Blutgruppe
Falls Sie einen Blutgruppenausweis oder Mutter-Kind-Pass, bzw. Mutter-Pass haben, bringen Sie diesen bitte mit. Sollten Sie keinen Nachweis Ihrer Blutgruppe besitzen, wird Ihnen vorher Blut zur Bestimmung  abgenommen.
Wenn Ihre Blutgruppe Rhesus negativ ist, bekommen Sie nach dem Abbruch ohne Zusatzkosten eine sogenannte „Rhesus – Spritze“. Damit wird einer möglichen Antikörperreaktion, bzw. Problemen bei zukünftigen Schwangerschaften vorgebeugt.

Medikamente
Falls Sie am Morgen regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie diese mit einem Schluck Wasser – wie gewohnt – einnehmen.
Bitte informieren Sie den behandelnden Arzt/Ärztin bei der Terminvereinbarung über Medikamente, die sie regelmäßig einnehmen!

Essen, Trinken, Rauchen, Kaugummi
Wenn Sie eine Vollnarkose gewählt haben:
Sie dürfen 6 Stunden vor der Vollnarkose nichts Essen, Trinken, keinen Kaugummi kauen, Bonbon lutschen oder Rauchen.
Ansonsten besteht das Risiko, dass Sie während der Narkose erbrechen und Mageninhalt in die Luftröhre gelangt, was zu einer schweren Lungenentzündung führen kann.
Vor einer örtlichen Betäubung/Lokalanästhesie:
Bei einem chirurgischen Abbruch in örtlicher Betäubung besteht dieses Risiko nicht. Vielmehr sollten Sie für einen stabilen Kreislauf vor dem Eingriff wie gewohnt Essen und Trinken.
Beim medikamentösen Abbruch:
Sie sollten im Verlauf des medikamentösen Abbruchs wie gewohnt Essen und Trinken.

Piercing
Falls Sie ein Piercing im Mund oder in der Lippe haben, sollten Sie dieses vor einem Abbruch in Vollnarkose entfernen. Alle anderen Piercings können Sie belassen.

Was Sie sonst noch mitbringen sollten

Bei einem chirurgischen Abbruch in Vollnarkose bringen Sie bitte ein langes T-Shirt, eventuell Söckchen und dünne Binden mit.