abtreibung.at

Irland: Frau wurde Abtreibung trotz Suizidgefahr verweigert

Medienberichte, 28.08.2014

diestandard.at, 25. August 2014

Begutachtung dauerte bis zur 24. Schwangerschaftswoche, statt Abbruch wurde Kaiserschnitt durchgeführt
Die “Irish Times” berichtete letzte Woche von einer jungen schwangeren Frau, der ein Schwangerschaftsabbruch durch Verzögerung verwehrt wurde. Die Frau wurde vergewaltigt und gab an, wegen dieser Schwangerschaft sterben zu wollen.

Frau trat in Hungerstreik

In Irland sind Abtreibungen verboten, außer wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, das impliziert auch Suizidgefahr. Um dies festzustellen, sollen die Frauen begutachtet werden – eine Prozedur, die sich im Falle der Frau bis zur 24. Schwangerschaftswoche hinzog. Erst wurde sie von einer privaten Beratungsstelle betreut, einige Woche später von Psychiatern und Gynäkologen, die erst eine legale Abtreibung verweigerten. Die Frau trat schließlich in einen Hungerstreik. Nachdem ihr Ärzte einen Abbruch in Aussicht stellten, nahm sie schließlich wieder Nahrung und Flüssigkeit zu sich. Doch dann entschieden die Ärzte, einen Kaiserschnitt durchzuführen – inzwischen war die Frau in der 24. Schwangerschaftswoche. Der Säugling befindet sich derzeit im Brutkasten.

Pro Choice-Proteste in Dublin

foto: ap/shawn pogatchnik Nach dem Tod von Savita Halappanavar, die an einer Blutvergiftung nach einer Fehlgeburt starb, gab es bereits Proteste. 2013 trat schließlich ein Gesetz in Kraft, das das Abtreibungsverbot im Falle einer Gefährdung der Mutter aufheben soll.

foto: ap/shawn pogatchnik
Nach dem Tod von Savita Halappanavar, die an einer Blutvergiftung nach einer Fehlgeburt starb, gab es bereits Proteste. 2013 trat schließlich ein Gesetz in Kraft, das das Abtreibungsverbot im Falle einer Gefährdung der Mutter aufheben soll.

Dieser Fall hat die Debatte um die restriktive Regelung zum Schwangerschaftsabbruch erneut entfacht. Die Aussetzung des Verbotes des Schwangerschaftsabbruches aufgrund einer Gefährdung der Mutter ist erst seit 2013 in Kraft. Tragische Vorfälle gab es bereits in der Vergangenheit: 2012 starb Savita Halappanavar an einer Blutvergiftung nach einer Fehlgeburt. Die Ärzte verweigerten nicht nur den Schwangerschaftsabbruch, sondern verabsäumten es auch, ihren nicht mehr überlebensfähigen Fötus zu entfernen.

Zum Artikel: diestandard.at

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Weiter keine Abtreibungen im Westen

Gesetz Medienberichte, 31.07.2014

Ö1, orf,at, Morgenjournal 31.7.2014

In Tirol und Vorarlberg wird es auch in Zukunft keine Abtreibungen in öffentlichen Spitälern geben. Eine Forderung von Gesundheitsminister Stöger (SPÖ) nach flächendeckendem Angebot – also auch in Tirol und Vorarlberg – haben die Krankenanstaltenverbände abgelehnt. Die Diskussion darüber wird durchaus emotional geführt.

Innsbrucker Uniklinik dagegen

Der Gesundheitsminister will, dass Frauen die Möglichkeit haben, Schwangerschaftsabbrüche an öffentlichen Spitälern in der Nähe ihres Wohnortes durchführen zu lassen – doch Christian Marth, Leiter der Universitätsklinik in Innsbruck, hält das für den falschen Ansatz. Frauen würden zum Schwangerschaftsabbruch auch absichtlich weit weg fahren: “Wenn man da in eine Uniklinik geht, da sitzt man dann neben der Nachbarin im Warteraum – wo aus diesem Grund ja viele Frauen lieber woanders hingehen als in die nähere Umgebung.”
Zum Artikel und Audiobeitrag: oe1.orf.at

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“Pille danach”: Moderne Mythen und die Notfallpille

Studien, 07.07.2014

derstandard.at, 30. Juni 2014 von Gudrun Springer

Dass es die “Pille danach” gibt, ist zwar bekannt, dass man sie rezeptfrei erhält und wie sie wirkt, aber viel weniger. Das Gesundheitsministerium zieht nach viereinhalb Jahren verschreibungsfreier Abgabe eine positive Bilanz, sieht aber noch Aufklärungsbedarf

Wien – Sie hatte eine Welle der Entrüstung ausgelöst: Die rezeptfreie Abgabe der “Pille danach”. Bischof Klaus Küng warnte, “dass wegen der leichten Erhältlichkeit vor allem junge Mädchen bedenkenloser zu dieser Pille als regelmäßiges Verhütungsmittel greifen werden”. Aufseiten der ÖVP bezeichnete man den Schritt als “falsch”, weil die “Pille danach” eine “regelrechte Hormonbombe” sei. Auf FPÖ-Seite sah man gar die Gesundheit von Frauen gefährdet.

“Keine der Befürchtungen ist eingetreten”, resümierte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) am Montag nach rund viereinhalb Jahren rezeptfreier Herausgabe der Notfallpille – die seither nicht, wie Gegner befürchtet hätten, “wie ein Hustenzuckerl eingeworfen” werde. Stöger beruft sich dabei auf Ergebnisse einer Umfrage von meinungsraum.at, die dem Standard vorliegen.

Zum Artikel: derstandard.at

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Abtreibung: Die Hälfte der Paare hat nicht verhütet

Studien, 06.07.2014

diestandard.at, 20. Juni 2014, von Stefanie Ruep

500 Frauen nach Schwangerschaftsabbruch befragt – 43 Prozent dachten, es bestehe kein Risiko

Salzburg/Wien – Jede fünfte Frau wird bis zum Ende des gebärfähigen Alters einmal oder mehrmals ungewollt schwanger. Das zeigen die Berechnungen des österreichischen Verhütungsreports. Knapp die Hälfte der ungewollten Schwangerschaften wird abgebrochen. Bei der aktuellen Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums und des Frauenreferats Salzburg wurde nach der Entstehungssituation ungewollter Schwangerschaften gefragt.
Mehr als 500 Frauen, die in Salzburg, Wien oder Korneuburg eine Schwangerschaft abbrechen ließen, wurden befragt. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt bei 28 Jahren. Nur zehn Prozent sind unter 18 Jahre alt, 43 Prozent zwischen 20 und 30.  Mehr als die Hälfte der Frauen hat bereits ein oder mehrere Kinder.

Zum Artikel: diestandard.at

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Publikationen zu den Motiven für einen Schwangerschaftsabbruch in Österreich

Uncategorized, 26.03.2014

  • 2014, aktuelle Studie über die Entstehungsbedingungen ungewollter Schwangerschaften im Druck
  • 2001, “Schwangerschaftskonflikt – Motive für bzw. gegen den Schwangerschaftsabbruch”, Wimmer-Puchinger (Studie download pdf.2001)
  • 1995, “Familie und Familienpolitik in Österreich”, Gisser et al
  • 1988, “Frauen in der Beratung vor und nach der Entscheidung, Rahmenbedingungen zum Schwangerschaftsabbruch” , Wimmer-Puchinger
  • 1988, “Frauen im Schwangerschaftskonflikt”, Wimmer-Puchinger
  • 1982, “Motive zum Schwangerschaftsabbruch”, Wimmer-Puchinger
  • 1978 , “Geburt und Abtreibung”, Münz und Pelikan

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Begleitmaßnahmen/ flankierende Maßnahmen in Österreich

Uncategorized, 25.03.2014

Im Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch wurden auch Begleitmaßnahmen behandelt:
1974 hat der Nationalrat die Vorlage der SPÖ Regierung angenommen, welche u.a. einen Passus über Begleitmaßnahmen enthält, s. Seite 19: parlament.gv.at/Pakt/VHG/XIII/I/I_00959

Weit wirksamer und humaner als jedes Strafrecht sind andere Maßnahmen, wie etwa:

  • Gewährleistung des Zuganges zu empfängnisverhütenden Mitteln für alle Bevölkerungsschichten,
  • Errichtung von Familienberatungsstellen in ganz österreich,
  • ärztliche Beratung der Frau zur Verhinderung weiterer Schwangerschaftsabbrüche,
  • umfassende Sexualerziehung an allen Schulen und
  • sachliche Information über Empfängnisverhütung auch in den Massenmedien,
  • Ausbau von Kindergärten und Einführung der Ganztagsschule,
  • sonstige Maßnahmen zur materiellen Förderung der Familie.

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Parallel zur Legalisierung des Abbruchs haben 3 Abgeordnete der FPÖ einen Entschießungsantrag im NR eingebracht (Siehe, parlament.gv.at), der einstimmig beschlossen wurde. Darin wird folgendes gefordert, bzw. beschlossen:

  • Verstärkte Aufklärung über Empfängnisverhütung, insbesondere durch Sexualerziehung in den Schulen
  • sachliche Information in den Massenmedien, um allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu den empfängnisverhütenden Mitteln zu ermöglichen
  • Ausbau, Propagierung und Förderung der Familienberatungsstelle
  • Erleichterung der Adoptionsmöglichkeiten
  • rasche Fertigstellung von Regierungsvorlagen betreffend Erhöhung der Geburtenbeihilfe und Erhöhung des Karenzurlaubsgeldes für verheiratete und ledige Mütter.
  • Weiters wird die Bundesregierung ersucht, auf die Länder und Gemeinden dahingehend einzuwirken, daß diese ebenfalls geeignete Maßnahmen im Rahmen ihres Kompetenzbereiches durchführen, wie z.B.:
  • Neubau und Ausbau von Kindergärten,
  • Ausbau der vorhandenen Schwangerenberatungsstellen zu Familienberatungsstellen,
  • Schaffung von modernen Sozialhilfegesetzen, worin insbesondere Hilfsmaßnahmen für werdende Mütter vorzusehen sind.

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Im Protokoll des Parlaments von 1985 beschreibt Dr. Hilde Hawlicek weitere flankierende Maßnahmen, welche die SPÖ umgesetzt hat: parlament.gv.at/PAKT/VHG/XVI/NRSITZ/NRSITZ_0008

Zusammenfassung der NR Rede 1985 von Dr. Hawlicek :

  • Erhöhung der Geburtenbeihilfe
  • Familienberatungsstellen in ganz Österreich etabliert
  • Mutterschutzfrist von je vier Wochen vor und nach der Geburt auf je sechs Wochen vor und nach der Geburt erhöht
  • Karenzurlaubsgeld erhöht und nicht mehr an das Einkommen des Mannes geknüpft
  • Karenzurlaubsgeld für die alleinstehenden Frauen, ich kann nicht sagen um 50 Prozent erhöht, denn vorher hatten sie kein eigenes. Sie bekommen 50 Prozent mehr als die verheiratete Frau.
  • empirische Untersuchung über die Motive zum Schwangerschaftsabbruch, die 1983 vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und vom Bundesministerium für Finanzen gemacht wurde.
  • erhöhte Familienbeihilfe für behinderte Kinder
  • Erleichterung der Adoptionsmöglichkeiten

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Alle Maßnahmen, die damals gefordert wurden sind mittlerweile bereits umgesetzt, ausser “allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu den empfängnisverhütenden Mitteln zu ermöglichen”. (Anm.: Das sind genau die Probleme, die sowohl der Verhütungsreport, als auch die aktuelle Studie und auch die klinische Erfahrung zeigen.

Hintergrundinformationen:

 

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Positive Entscheidung zu Abtreibung in der Schweiz

Gesetz, 12.02.2014

derstandard.at, 12. Februar 2014, Leserkommentar von Petra Schweiger

Schweizer Krankenkassen bezahlen weiterhin den Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft – ein wichtiges Zeichen
Die Schweizer Bevölkerung bestätigte in einer Abstimmung am vergangenen Sonntag eindrucksvoll, was in vielen westeuropäischen Ländern selbstverständlicher Standard ist: Frauen und Mädchen mit einer ungewollten Schwangerschaft werden im Rahmen der Solidargemeinschaft wie bisher kostenfrei medizinisch behandelt.

Vergleich zu Österreich
In Österreich führt die fehlende Kostenübernahme eines Schwangerschaftsabbruchs fallweise zu massiven finanziellen Problemen insbesondere bei Frauen bzw. Familien mit mehreren Kindern und geringem Einkommen. Es ist schwer nachvollziehbar, warum diese soziale Ungerechtigkeit beibehalten werden soll. Warum müssen Frauen, die regelmäßig ihre Sozialversicherungsbeiträge leisten, für dringende medizinische Behandlungskosten privat aufkommen? Und warum werden dadurch Frauen belastet, die bereits eines oder mehrere Kinder haben und einfach keine Kraft oder Unterstützung haben für ein weiteres Kind verantwortungsvoll zu sorgen?
Zum Artikel: derstandard.at

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“Vorbild” Österreich

Gesetz, 12.02.2014

diestandard.at, 11. Februar 2014, Kommentar von Ina Freudenschuß

In der Schweiz werden Abtreibungen weiterhin von der Krankenkasse bezahlt – Hierzulande ist man davon weit entfernt
Nun ist es amtlich, was Meinungsumfragen seit Wochen prophezeiten: Die SchweizerInnen haben kein Interesse daran, dass die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch in Zukunft privatisiert werden sollen. Mit 70 Prozent Ablehnung scheiterten die christlich-konservativen Kreise am Sonntag ganz klar mit ihrer Forderung, den Kostenersatz aus der obligatorischen schweizerischen Krankenversicherung zu streichen.
Österreich diente als Vorbild
Aus österreichischer Sicht ist die Debatte, die medial von der gleichzeitig angenommenen Initiative “Gegen Masseneinwanderung” überschattet wird, besonders interessant, da es hierzulande ja genau die Zustände gibt, gegen die sich die SchweizerInnen nun positioniert haben. Österreich ist jenes europäische Ausnahmeland, in dem der Abbruch zwar straffrei, aber von den Betroffenen selbst zu bezahlen ist. Die österreichische Regelung diente in der Schweiz deshalb auch als “Vorbild” für den Antrag.
Zum Artikel: diestandard.at

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Spanien: Neues Abtreibungsrecht nahm erste Hürde im Parlament

Gesetz, 12.02.2014

diestandard.at, 12. Februar 2014

Abgeordnete lehnten Antrag der oppositionellen Sozialisten gegen geplante Verschärfung ab
Madrid – Die geplante Verschärfung des Abtreibungsrechts in Spanien hat eine erste Hürde im Parlament genommen. Im Abgeordnetenhaus in Madrid stimmten am Dienstag 183 ParlamentarierInnen in geheimer Wahl gegen einen Antrag der oppositionellen Sozialisten, den Gesetzentwurf der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy “umgehend” zurückzuziehen.
151 stimmten für den Rückzug der Gesetzesvorlage, sechs enthielten sich.
Zum Artikel: diestandard.at

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Nach 40 Jahre Fristenlösung soll Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch

Gesetz Medienberichte, 07.01.2014

(Wien, 28.11.13, PUR)
Breites Bündnis an Frauenvertreterin verlangt Entkriminalisierung.
 Abgeordnete der Grünen, Sozialdemokratie und Neos unterstützen Anliegen.
Schwangerschaftsabbruch ist zwar durch die Fristenlösung innerhalb der ersten drei Monate straffrei, aber immer noch Teil des Strafgesetzes. Treibende Kraft für die 1973 vom Parlament beschlossene Strafbefreiung waren die SPÖ Frauen rund um Johanna Dohnal. Sie betrieben Meinungsbildung gegen eine gesellschaftspolitische Stimmung, die patriarchal und klerikal geprägt war. Am 29. November 1973 wurde im Parlament die Fristenregelung sehr knapp -  mit 93 zu 88 Stimmen – beschlossen.

Allerdings verblieb damals der ursprünglich von Maria Theresia eingeführte Abtreibungsparagraph im Strafgesetzbuch – bis heute.

Bevormundung beenden
”1973 erfolgte ein erster Schritt, heute ist der nächste notwendig“, so die UnterstützerInnen unisono: “Die vollständige Streichung dieser medizinischen Behandlung aus dem StGB“, fordert etwa der Gynäkologe Christian Fiala. “Das Verbot hilft weder den Frauen noch der Gesellschaft. Die Streichung wäre ein wichtiges politisches Signal. Denn ungewollte Schwangerschaften werden nicht durch Strafgesetze verhindert, sondern durch bessere Prävention“.
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