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Mythen und Fakten

Mythos Abtreibung: Was ist richtig?
von Dr. Paul Kochenstein

Mythos 1: Man kann nicht für die Möglichkeit einer Abtreibung sein und gleichzeitig gegen Krieg oder Todesstrafe
Falsch: Befürworter der Möglichkeit abzutreiben zu sein, hängt mit der Idee zusammen, dass jede Frau das Recht hat zu entscheiden, ob Sie eine Schwangerschaft austragen kann/will oder nicht. Opfer in Kriegen oder bei der Todesstrafe sind ausgewachsene und bewusste Lebewesen. Die moralischen Fragen, die hinter den Themen stehen, sind völlig verschiedene.

Mythos 2: Eine Abtreibung verursacht Brustkrebs
Falsch: 1997 wurde im New England Journal of Medicine die größte Studie mit 1.5 Millionen Teilnehmerinnen zu diesem Thema veröffentlicht. Ergebnis war, dass kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer Abtreibung und einem höheren Risiko an Brustkrebs besteht. Allerdings reduziert das Austragen eines Kindes das Risiko von Brustkrebs.

Mythos 3: „So sieht eine Abtreibung aus”
Falsch: Die meisten Bilder, die Demonstranten gegen Abtreibungen verwenden, sind entweder bearbeitet oder Bilder von Spätabtreibungen aufgrund einer schweren Fehlbildung des Fötus oder Erkrankung der Frau. Der größte Teil aller Abtreibungen wird aber vor der 10. Schwangerschaftswoche durchgeführt, sehr viele Abbrüche sogar vor der 6. Woche. Siehe dazu Bilder von einem Fruchtsack.

Mythos 4: Föten fühlen bereits der frühen Schwangerschaft Schmerzen:

Falsch: Die Nervenzellen von Föten können zwar auf Reize reagieren, aber für die Schmerz-Empfindung benötigen wir das Großhirn, welches sich erst in der späteren Schwangerschaft ausbildet.

Mythos 5: Föten erlangen in der achten Woche ein Bewusstsein:
Falsch: Föten entwickeln in der siebten Woche einen Hirnstamm, aber sind bis zum dritten Trimester nicht zu einem Bewusstsein fähig. Höchstwahrscheinlich bleiben sie sogar noch bis zu ihrer Geburt ohne Bewusstsein.

Mythos 6: Die Pille danach verursacht eine Abtreibung
Falsch. Die Pille danach verhindert eine Schwangerschaft, indem sie die Befruchtung der Eizelle blockiert. Sie kann keine Abtreibung verursachen. Wenn die Anzahl an Abtreibungen verringert werden soll, ist der beste Weg dazu, Verhütungsmittel und die Pille danach überall auf der Welt zugänglich zu machen

Mythos 7: Abtreibungen zu verbieten, wird sie beseitigen
Falsch: In El Salvador und Nicaragua sind Abtreibungen illegal und werden mit bis zu 30 Jahren Haft bestraft. Trotzdem können Frauen leicht Mittel, welche eine Abtreibung einleiten, auf dem Schwarzmarkt erwerben. Das Verbot bewirkt lediglich, dass Abtreibungen spät in der Schwangerschaft, von unqualifizierten Menschen und unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt werden. Dies führt dann zu einer großen Gefahr für die Gesundheit und das Leben von Frauen.
Auch in Europa war der Abbruch bis in die 70er Jahre verboten, und trotzdem hat es unglaublich viele Abbrüche gegeben, verbunden mit zahlreichen Komplikationen und Todesfällen aufgrund der unsachgemäßen Durchführung.

Mythos 8: Befürworter von Abtreibungen wollen mehr Abtreibungen

Falsch: Befürworter setzen sich dafür ein, Jugendliche aufzuklären, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu erleichtern und die Abtreibungen, die sowieso stattfinden unter besten Bedingungen durchzuführen.

Mythos 9: Befürworter wollen Abtreibungen bis zur Geburt ermöglichen
Falsch: Befürworter wollen Frauen einen möglichst frühen Zugang zu einer Abtreibung ermöglichen. Allerdings gibt es sehr selten Ausnahmesituationen, wie eine schwere Fehlbildung des Föten oder eine Erkrankung der Frau. In diesen Fällen muß auch eine Abtreibung später in der Schwangerschaft möglich sein.

Mythos 10: Das menschliche Leben beginnt bei der Empfängnis

Falsch: Das menschliche Leben fängt sogar vor der Empfängnis an, da die Samen- und Eizellen bereits lebendige Dinge sind. Es ist wesentlich relevanter, darüber zu sprechen, wann Empfindungen und Selbsterkenntnis beginnen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die übergeordnete Hirnentwicklung erst ab der 23. Woche beginnt.

Quelle: experto.de

Widerspricht die Durchführung von Abtreibungen nicht dem Hippokratischen Eid, den alle Ärzte ablegen?
Der Hippokratische Eid, datiert ungefähr um 460 – 377 v. Chr. und ist heutzutage ein symbolisches Ritual, an dem die meisten medizinischen Absolventen nicht mehr teilnehmen. Der Eid befürwortet nicht ein Verbot für alle Formen von Schwangerschaftsabbrüchen. ARCC (The Abortion Rights Coalition of Canada)
stimmt mit jenen medizinischen Schulen überein, die den Eid revidiert und modernisiert haben um den gesellschaftlichen Wertewandel, die geänderten Gesetze, und neue medizinische Technologien zu reflektieren.
Jene, die sich gegen einen legalen Schwangerschaftsabbruch stellen, ignorieren einfach moderne Ethik und klammern sich an eine ungenaue Version des Eids, um ihre eigene Ansicht zum Abbruch zu legitimieren.

Mythen nach einem Abbruch:

Können Frauen später noch ein Kind bekommen?
Dies ist eine der häufigsten Fragen der Frauen, weil immer noch der Mythos herrscht, eine Frau könne nach einem Abbruch nicht mehr schwanger werden. Es sind keine negativen Auswirkungen auf eine spätere Fruchtbarkeit bekannt. Vielmehr kann die Frau gleich nach dem Abbruch wieder schwanger werden.

Fruchtbarkeit – Verhütung

Eine vorliegende Schwangerschaft belegt die Fruchtbarkeit. Ein komplikationsloser Abbruch hat keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Der nächste Eisprung findet etwa 2 Wochen nach einem Abbruch statt. Dabei kann die Frau sofort wieder schwanger werden, falls sie keine sichere Verhütung anwendet. Mit hormonellen Verhütungsmethoden (Pille, Stäbchen, Ring, Pflaster, Drei-Monatsspritze) sollten sie gleich nach dem chirurgischen Abbruch beginnen. Beim medikamentösen Abbruch kann sie am Tag nach Blutungsbeginn mit einer hormonellen Verhütungsmethode Ihrer Wahl beginnen.

Psychische Befindlichkeit nach einem Schwangerschaftsabbruch:

Viele Frauen erleben die Zeit bis zum Abbruch belastend und fühlen sich nach dem Eingriff erleichtert. (Siehe auch das Buch: ‚Traurig und befreit zugleich’, Erfahrungsberichte von Frauen, Link)
Um psychischen Problemen vorzubeugen ist es wichtig, dass sie
- vorher gut informiert wurden
- die Entscheidung selbstbestimmt getroffen haben
- eine wohlwollende, soziale Akzeptanz ihrer Entscheidung in ihrem persönlichen Umfeld vorhanden ist
- in einer angenehmen Atmosphäre optimal medizinisch und menschlich betreut wurden
. Ein Schwangerschaftsabbruch kann durchaus auch als Befreiung und Erleichterung erlebt werden. Zeitweise Phasen der Traurigkeit sind Teil eines normalen Verabreitungsprozesses, wie in jeder anderen Krisensituation auch.

Aktuelle Übersichtsarbeit zu psychischen  Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen

Frauen, die eine Abtreibung hatten, leiden nicht häufiger unter psychischen Problemen als Frauen, die eine ungeplante Schwangerschaft ausgetragen haben und auch nicht häufiger als Frauen insgesamt!
Dies wurde durch eine Expertengruppe der amerikanischen Gesellschaft für Psychologie APA auf der Basis von über 220 ausgewerteten wissenschaftlichen Studien erneut bestätigt.

Eine Arbeitsgruppe der Amerikanischen Gesellschaft für Psychologie (American Psychological Association task force on mental health and abortion) hat alle in englischer Sprache verfügbaren Studien seit 1989, die sich mit Faktoren der psy-
chischen Gesundheit im Kontext von Schwangerschaftsabbrüchen befassen, ausgewertet.

Als wichtigste Schlussfolgerung betont die AG:

Die Studien belegen, dass ungeplant schwangere Frauen, die sich für einen Abbruch entscheiden, nicht mehr psychische Probleme haben als Frauen, die eine ungeplante Schwangerschaft austragen. In Bezug auf Mehrfachabbrüche sind die Daten widersprüchlich. Viele der ausgewerteten Studien haben schwer wiegende methodische Mängel. Auf Grund unterschiedlicher Studienqualitäten können die Ergebnisse kaum miteinander verglichen werden.  Zwar erleben einige Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch Trauer und Verlustgefühle und manche haben klinisch bedeutsame Probleme wie Depressionen oder Angstgefühle. Die Studien belegen jedoch nicht, ob diese Probleme durch den Abbruch verursacht wurden oder durch andere Faktoren.

Die AG stellt fest, dass bestimmte Risikofaktoren häufiger zu psychischen Problemen nach einer Schwangerschaft führen (unabhängig davon, ob diese ausgetragen wird oder nicht). Die gleichen Faktoren führen aber auch zu ungewollten Schwangerschaften.

Zu diesen Faktoren zählen:
Armut, Gewalterfahrung oder psychische Probleme in der Vorgeschichte, Alkohol- und/oder Drogenkonsum, vorausgehende ungewollte Geburten.

Wenn der Einfluss dieser Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt wird, kann dies zur Annahme ursächlicher Zusammenhänge zwischen psychischen Problemen und Schwangerschaftsabbrüchen führen, wo die psychischen Probleme eigentlich andere Ursachen haben.

Weiterhin schließt die AG aus dem vorhandenen Material, dass Frauen aus sehr unterschiedlichen persönlichen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gründen Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen und dass alle diese Gründe das Befinden nach einem Abbruch beeinflussen können.

Dem Bericht zufolge waren negative psychische Reaktionen nach einem Abbruch häufiger, wenn Frauen eine gewünschte Schwangerschaft aufgrund von äußerem Druck beendeten oder wenn sie ihre Schwangerschaft vor der Familie und
Freunden geheim halten mussten.

Es gibt kaum Studien, die die Auswirkungen eines Abbruchs auf die psychische Gesundheit mit angemessenen Vergleichsgruppen untersuchen.
Dies wären zum Beispiel Mutterschaft und Adoption. Deshalb empfiehlt die AG gut geplante und sorgfältig durchgeführte Studien, die den Einfluss verfälschender Faktoren identifizieren, das Risiko von Abbrüchen für die psychische Gesundheit im Vergleich zu den Alternativen klären sowie andere Faktoren einbeziehen, die die psychische Gesundheit beeinflussen können.

Quelle: Report of the APA Task Force on Mental
Health and Abortion American Psychological
Association, veröffentlicht: 8/13/2008,
file_pdf_small apa.org.abortion-report.pdf

2011 wurden zwei weitere grosse Studien publiziert, welche die bisherigen Schlussfolgerungen bestätigen:

– eine Auswertung des dänischen Gesundheitsregisters von 1995 – 2007. Dabei wurde untersucht wie häufig Frauen vor und nach einem Abbruch oder einer Geburt ein psychiatrisches Problem hatten. Es zeigte sich, dass ein Abbruch keinen Einfluss auf die pyschiatrische Gesundheit hat, demgegenüber führt eine Geburt zu einem signifikanten Anstieg an psychiatrischen Interventionen.

Munk-Olsen T. et al. “Induced First-Trimester Abortion and Risk of Mental Disorder”, N.Engl.J.Med 2011;364:332-9

– eine Analyse aller verfügbaren Studien durch die Academy of Medical Royal Colleges, London. Das Ergebnis war:

“Induced Abortion and Mental Health: A systematic review of the evidence”, Medical Royal Colleges by National Collaborating Centre for Mental Health, December 2011: Induced-Abortion-Mental-Health

Weitere Informationen und Quellen zu psychischen Folgen von Schwangerschafts-abbrüchen finden sich in übersichtlicher Weise zusammengestellt auf den Internetseiten der Schweizerischen Vereinigung für Straflosigkeit des Schwan-
gerschaftsabbruchs (SVSS),
svss-uspda.

file_pdf_small Quelle: profamilia.de

Abtreibung in Zahlen

Wie steht es weltweit mit dem Recht auf Abtreibung und Selbstbestimmung, 40 Jahre nachdem die Frauenbewegung dafür auf die Strasse gegangen ist?